Das Monumentale Erbe von Chemnitz: Der Karl-Marx-Kopf

Als eines der markantesten Wahrzeichen von Chemnitz thront der Karl-Marx-Kopf majestätisch im Stadtzentrum und erzählt von einer Zeit der politischen Umbrüche und kulturellen Identität.

Karl Marx: Der Philosoph und Revolutionär

Karl Marx, geboren am 5. Mai 1818 in Trier und verstorben am 14. März 1883 in London, war nicht nur ein deutscher Philosoph, sondern auch ein Ökonom, Gesellschaftstheoretiker und politischer Journalist. Sein Lebenswerk, das in enger Zusammenarbeit mit Friedrich Engels entstand, kritisierte den Kapitalismus und die Religion und legte den Grundstein für die moderne Arbeiterbewegung. Marx’ Theorien und Schriften, insbesondere das “Kommunistische Manifest” und “Das Kapital”, haben die politische Landschaft und das Denken vieler Generationen geprägt.

Chemnitz: Von Karl-Marx-Stadt zurück zu den Wurzeln

Chemnitz, von 1953 bis 1990 als Karl-Marx-Stadt bekannt, ist die drittgrößte Stadt in Sachsen. Die Umbenennung im Mai 1953 war eine Hommage an Karl Marx, den die DDR-Regierung als “größten Sohn des deutschen Volkes” bezeichnete. Doch die Geschichte dieser Stadt reicht weit über diese Zeitperiode hinaus. Chemnitz, gelegen am Nordrand des Erzgebirges, hat eine reiche industrielle und kulturelle Geschichte. 2020 wurde sie zur Kulturhauptstadt Europas 2025 ernannt. Doch die Identität der Stadt blieb nicht immer unumstritten. 1990, nach 37 Jahren als Karl-Marx-Stadt, stimmten 76 Prozent der Einwohner dafür, den ursprünglichen Namen Chemnitz wieder anzunehmen. Dieser Wunsch wurde am 1. Juni 1990 von der Stadtverordnetenversammlung umgesetzt.

Der Karl-Marx-Kopf: Ein monumentales Wahrzeichen von Chemnitz

Das Karl-Marx-Monument, oft einfach als “Karl-Marx-Kopf” bezeichnet, ist ein beeindruckendes Wahrzeichen von Chemnitz. Mit einer Höhe von 7,1 Metern (über 13 Meter einschließlich des Sockels) und einem Gewicht von rund vierzig Tonnen, stellt dieses Monument den Kopf von Karl Marx stilisiert dar. Entworfen vom sowjetischen Künstler Lew Kerbel und 1971 eingeweiht, steht es im Stadtzentrum an der Brückenstraße. Es ist nicht nur das bekannteste Wahrzeichen der Stadt, sondern auch die zweitgrößte Porträtbüste der Welt. Hinter dem Monument prangt der Schriftzug “Proletarier aller Länder vereinigt euch!” – ein Zitat aus dem Kommunistischen Manifest, dargestellt in vier Sprachen. Dieser Schriftzug, gestaltet von einem Künstlerkollektiv unter Beteiligung des Grafikers Helmut Humann, erinnert an die tiefen ideologischen Wurzeln des Denkmals. Heute steht hinter dem Monument das Landesamt für Steuern und Finanzen, ein Zeichen dafür, wie sich die Zeiten und Prioritäten geändert haben. Dennoch bleibt der “Karl-Marx-Kopf” ein unverzichtbarer Teil der Geschichte und Kultur von Chemnitz.

 

Die Erschaffung des Karl-Marx-Kopfes: Ein Monument sozialistischer Identität

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt Chemnitz in Anerkennung des Philosophen und Revolutionärs Karl Marx am 10. Mai 1953 in Karl-Marx-Stadt umbenannt. Dieser Schritt markierte den Beginn des Wiederaufbaus der Stadt, die durch die Luftangriffe schwer beschädigt wurde. Um die Transformation in eine sozialistische Stadt zu symbolisieren, wurde beschlossen, ein Monument zu Ehren von Karl Marx zu errichten.

Der sowjetische Bildhauer Lew Kerbel schlug 17 Grundentwürfe für das Monument vor. Während die meisten Entwürfe eine ganzheitliche Darstellung von Karl Marx vorsahen, entschied man sich für den Entwurf, der lediglich den Kopf von Marx auf einem Sockel zeigte. Dies wurde gewählt, um zu vermeiden, dass Betrachter auf Augenhöhe die Schuhe des Philosophen sehen würden. Der Karl-Marx-Kopf wurde in der Kunstgießerei Monument Skulptura in Leningrad aus Bronze gegossen und in 95 Teile zerlegt, bevor er nach Karl-Marx-Stadt transportiert wurde. Dort wurden die Teile wieder zusammengeschweißt, wobei der VEB Germania den Auftrag erhielt, da die sowjetische Technik nicht geeignet war.

Am 9. Oktober 1971 wurde der Karl-Marx-Kopf vor einer beeindruckenden Menge von rund 250.000 Menschen eingeweiht. Dieses Denkmal wurde nicht nur zum Symbol von Karl-Marx-Stadt, sondern auch zu einem zentralen Punkt für Festzüge und andere Massenveranstaltungen in der DDR. Trotz Diskussionen über einen möglichen Abriss nach der deutschen Wiedervereinigung und der Rückbenennung der Stadt in Chemnitz, bleibt der Karl-Marx-Kopf ein prägendes Wahrzeichen der Stadt. Es diente als Kulisse für verschiedene kulturelle und politische Veranstaltungen und bleibt ein Zeugnis der Geschichte und Identität von Chemnitz.